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SEEIGEL UNTERM GEWÖLBE

ADRETT RESTAURIERTE FACHWERKHÄUSER, zum Teil krumm und schief vom Alter, säumen den historischen Marktplatz des Moselstädtchens. An der höchsten Stelle des Platzes das Rat­haus von 1608. Seit 1914 zog hier Gastronomie ein, heute ist auch dieses Gebäude grundsaniert, die rohen Originalmauern unterm strahlend weißen Gewölbe sind wieder freigelegt.
Gastgeber und Pächter ist Salvatore Brugelli. Zum Glück hat der in Bernkastel umtriebige Gastronom während der Corona bedingte Schließung durchgehalten – mit Küchenchef Sebastiano Ricci­ardetto an der Seite. Der junge Sizilianer aus Siracus zählt zu seinen Stationen klingende Namen: Das Ducasse-lmperium, das „Can Roca“ in Girona sind dabei. Man merkt seinen Tellern die Avantgarde an, etwa den schmackhaften winzigen Amuse­-Gueules, gebettet auf Dingen, die nicht essbar sind; dann die sehr guten, üppigen Spaghetti mit Seeigel und Makrelencreme.
Beim Hummer mit Limettenmarinade und Thai-Salsa hätte man sich in dem Thai-Zitat deutlich mehr Schmiss gewünscht, der geschmackliche Ausflug wirkte noch zu zaghaft. Zum ge­räucherten Stracciatella-Käse (ähnelt dem Mozzarella) gibt es Kiwisauce und Kartoffel-Popcorn – originell gedacht. Ricciar­detto hat hier seine erste Küchenchef-Stelle inne und wirkt immer da souverän, wo er klare mediterrane Geschmacksbilder liefert: etwa gebratenen Seeteufel mit weißen Bohnen und Chorizo. Er ist ein Suchender mit großer Ambition. Die Einhei­mischen freuen sich über ein so elegantes und nach kulinari­schen Höhenflügen strebendes Restaurant. Denn die sind an der Mosel nicht gerade dicht gesät.

– Madeleine Jakits, Der Feinschmecker –

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Mit freundlicher Genehmigung aus:
Stadtgespräch Bernkastel-Kues
Sonderveröffentlichung der Volksfreund-Druckerei
Nikolaus Koch GmbH vom 17. Oktober 2020
Redaktion: PR-Redaktion TMVG, Ursula Schmieder